Pompeji

Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hätte“, so bringt Johann Wolfgang Goethe seine Begegnung mit Pompeji auf den Punkt. Das Unglück seiner Bewohner 79 n Chr ist für uns ein Glück. Denn wir erleben in den Ausgrabungen nicht nur die Struktur einer sammnitisch-römischen Stadt zur Zeit Kaiser Titus, sondern auch Häuser mit ihren Wandmalereien.
Ich war 1992 mit einer Jugendgruppe aus Neuhofen das einzige und letzte Mal in Pompeji. Damals führte ich aus Kostengründen selbst. Wir profitieren von einer Guida Katia, die uns knapp drei Stunden führt. Doch zuvor muss ich noch ein bürokratisches Hinderniss überwinden. Hatte keine Infos, dass Gruppen eine Namensliste sowie den Stempel einer Reiseagentur benötigen. Liste liegt im Bus, und wir haben keine Agentur, da ich alles selbst organisiert habe. Alles Erklären und Argumentieren und das Zeigen einer Liste auf meinem Smartphone bleibt vergeblich. Samuele, ein dunkelhäutiger Guide, hilft mir aus der Patsche. Ich schicke ihm die Liste, er druckt sie in einem anderen Büro aus, setzt Stempel und unterschreibt. Als ich die Liste vorlege, markiert die Signora zwei Namen mit Eding. Diese Personalausweise müssen vorgelegt werden. So kommen wir doch noch als Gruppe rein. Das ist Kampagnien! Bürokratisch und dann finden sich flexible Lösungen. Samuele will nichts, ich drücke ihm Geld in die Hand.

Das berühmte Rot von Pompeji, das auch den bayerischen König und die Villa Ludwigshöhe in Edenkoben inspiriert hat, lerne ich von unsere Guida, war nicht so, sondern gelb! Erst die Hitze des Ascheregens veränderte die Farbpigmente. Man lernt nie aus.
Pompeji ist voll und groß. Die Grabungen begannen im 18.Jhd und sind immer noch nicht beendet. Heute scheint die Stadt besonders voll, ein Kreuzfahrtschiff. Besonders beliebt bei den Besuchern ist das Freundenhaus, wir lassen es aufgrund der Schlange links liegen.
Die Straßen sind noch gut sichtbar, auch die „Zebrastreifen“ wie sie die Überquerunghilfen für Fußgänger nennt. Ich finde die Wahlplakate interessant und auch die Bilder auf dem zentralen Fischmarkt oder die Maße zur Kontrolle gegen Betrug. Schon damals gab es Wahlkampf, allerdings wurden die Namen der Kandidaten an die Wand geschrieben.

Am schönsten sind natürlich die Wandmalereien in den Häusern und öffentlichen Gebäuden. Leider sind einige Häuser auch geschlossen. Anderes findet sich im Museum in Neapel. 1986 habe ich beispielsweise das berühmte Mosaik der Schlacht Alexanders gegen Xerxes gesehen. In Pompeji kann man auch sehen, wie sich Fragen der Intimität verändern und warum der Phallus das Wahrzeichen der Stadt war. In einer privaten Wohnung gibt es auch erotische Darstellungen. Wie haben aber die Armen gelebt oder Sklaven?
Pompeji lohnt ein Besuch, ich hätte mir noch mehr Zeit gewünscht. Vielleicht auch mal wieder Neapel. Es gibt ein sehr schönes Buch von Eugen Ruge, der aus dem Blickwinkel verschiedener Frauen und Männer das Leben in der Stadt kurz vor dem Untergang beschreibt.