Spaziergang durch Syrakus

Als ich 1983 zum ersten Mal mit meinem Freund Rainer Sizilien besuchte, faszinierte mich besonders Siracusa mit der Altstadt Ortigia. In meinem Rucksack befand sich das Buch von Gottfried Seume, Spaziergang nach Syrakus. Seume wanderte aus Sachsen nach Sizilien. Wir fuhren mit dem Bus über die autostrada an Enna vorbei gen Osten und dann an die südöstliche Spitze der Insel. Bei der dreistündigen Fahrt staunten wir wieder wie grün, fruchtbar und vielfältig die Insel ist. Und der Riese Ätna, eigentlich die Etna, zog uns in den Bann.
Spazierte Seume einfach los und kämpfte höchstens mit Banditen, so schlug sich unser Busfahrer mit der Verkehrsführung herum. Zunächst führte unsere Guida uns durch den archäologischen Park mit einem enormen Zeus-Opfer-Altar und zu griechischen Theater. Denn in der griechischen Kolonie wetteiferten die Bürger auch um die Bedeutung mit der Heimat. Theater war eine heilige Sache und mit Religion verknüpft. In Siracusa ließ ein Tyrann dieses Theater in den Felsen hineinschlagen, es fassze bis zu 16.000 Zuschauen. Sogar die Autoren aus Athen schrieben dafür Stücke.
In den Steinbrüchen erfuhren wir von der Sklavenarbeit und dass der Tyrann Dionisios keine Kritik vertrug. Am „Ohr des Dionisios“ soll er die Gefangenen belauscht haben. Mir kommen aktuelle „Tyrannen“ in den Sinn. Wir erproben die Akustik mit einem Kanon.

Nach einer Mittagspause in einer kleinen Bar führt la guida uns durch die engen Gassen der Altstadt Ortigias. Fußgänger, Touristen und Mofafahrer üben sich in friedlicher Koexistenz. Es erstaunt wie die Grundstruktur der griechischen Stadt in römischer, byzantinischer, arabischer, normannischer Zeit bis in die Gegenwart bewahrt wurde. Noch heute funktioniert das Kühlungssystem enge Gassen in Kombination mit Meer.
Der schönste Platz ist am Dom. Alles piccobello. Einige sitzen auf der Basis des alten Athena-Tempels. In byzantinischer Zeit baute der Bischof in den Tempel den heutigen Dom. Abgesehen von der Barockfassade kann ich im Innern noch gut den antiken Tempel mit der Cella und den dorischen Säulen erkennen.

Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Wiederverwendung von Bauten. Hier soll es ab 39 schon Christen gegeben haben und Paulus war auf dem Weg nach Rom 3 Tage hier.
Wir fuhren am 15.5. bis Milazzo ins Hotel Eole. Hier musste unser Busfahrer seine ganzen Fahrkünste einsetzen, um den Parkplatz zu erreichen.