Ring, ring – die Freiheit an die Glocke hängen

Was ist Freiheit? Wann bin ich frei? Diese Menschheitsfrage treibt auch oder gerade heute viele Frauen und Männer um. Ich fühle mich frei, wenn ich auf dem Rad meinen Körper spüre, Landschaften einatme… Im Hintergrund sind mir als deutscher Bürger natürlich viele Grundrechte garantiert, die ich als selbstverständlich betrachte. Die Einreise in ein anderes Land, für mich Europäer ein Grundrecht, für viele andere dagegen nicht.
Am 16.7. waren Steffi und ich bei der Liberty Bell und dem kleinen Museum in Philly im historical District. Die Ambivalenz des amerikanischen Revolutionskrieges mit der erkämpften Freiheit, die nicht für Sklaven galt und nur eingeschränkt für Frauen, wurde deutlich. Doch die Kämpfer/innen gegen Sklaverei und Frauenrechtlerinnen nutzten die Liberty Bell als Symbol ihres Kampfes.

Philly war seit seiner Gründung durch den Quäker Penn ein Ort der religiösen Freiheit und Vielfalt. Die Geschichte der Stadt zeigt wie religiöse und allgemeine Freiheit zusammenhängen, wenn Freiheit mehr sein soll als ich mache, was ich will. Quäker und andere Christen kämpften gegen das Übel der Sklaverei durch Protest, praktische Sklavenbefreiung und Gesetzesinitiativen. Freiheit und Gleichwertigkeit muss immer wieder erkämpft werden. Auch die älteste jüdische Gemeinde in den USA gibt es hier. Die wohlhabenden Kämpfer für Unabhängigkeit waren damals gleichwohl oft Reformer/innen für ein besseres Leben und Philanthropen.

Nach Justins Arbeit waren wir gemeinsam Essen und spazierten durch den historischen Stadtteil zum Delaware River. Freiheit hat auch Kehrseiten. Einerseits gibt es ganz viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Aber es fallen auch viele homeless auf, die auf Bänken versuchen ihre Würde zu bewahren, einige betteln oder liegen buchstäblich auf dem Gehweg. Wir besuchten noch Franklin‘s Grab und bewunderten ein paar historische Gebäude. Es ist anders und eindrucksvoll. Ring, ring es gibt sogar Radfahrer. Soll ich mir ein Rad ausleihen?