Die Vorbereitung für die 2. Etappe war durchwachsen. Frühstück im Hotel war klasse. Knusprige Croissant und Baguette, doch mein Nachtschlaf ließ zu wünschen übrig. Ich war überrascht, dass unterwegs noch so viele Bäume standen!
Flott führte uns das Navi in südwestlicher Richtung aus Metz. Wir rauschten an eleganten Villen aus der deutschen Kaiserzeit vorbei. Dann bogen wir auf einen Feldweg neben einem schmalen Kanal. Körper, Geist und Material wurden gerüttelt. Die Licht- und Schattenspiele unter grünem Blätterdach waren grandios. Doch wer ins Träumen kommt, kann in braun-grünes Kanalwasser abgleiten.
Unsere Räder atmeten auf, als sie endlich wieder Asphalt unter den Reifen spürten. Heijo und ich traten in die Pedale, um mit Rückenwind an der Mosel entlang dahinzufliegen.
In Pont-a-Mousson machten wir an der Mosel eine Pause. Blick zu einer Abteikirche, Ruderer und Angler und ein paar Velofahrer. Radfahren ist einfach schön. Noch schöner wäre es gewesen, ich hätte meine kleine Untersitz-Tasche geschlossen. Als mich Heijo 5 km später aufmerksam machte, hatte die kleine Sonnenmilch sich schon verabschiedet. Nun fuhren wir landeinwärts, an einem Stahlwerk vorbei. Wir kürzten ab, Höhenmeter in Kauf nehmend. Direkt an der Villa des Fabrikanten vorbei. Waren es bessere Zeiten, als die Fabriken noch neben ihrer Firma wohnten?
Dann begann der Aufstieg, ein km lang aber 12 %. Oben ging es auf einer Gravelstrecke weiter. Auf einer Art Hochebene genossen wir den weiten Blick. Die Schotterstrecke erinnerte mich an strade bianche.
Wir machten eine kleine Pause in einem Pferderennwettbüro, dann nahmen wir die letzten 21 km in Angriff. Leider war es wieder ein Holperweg. Wir schauten auf Komoot nach, hatten beide keine Lust auf 10 km Feldweg und fuhren auf der Straße.
Nach einer kurzen Abfahrt tauchte links ein mittelalterliches Städtchen auf. Auf einem Felsvorsprung über der Mosel hatte der Touler Bischof eine Festungsstadt errichtet. Liverdun ist schön anzusehen. In der frühgotischen Peterskirche imponierte mir das Grabmal des kopflosen Bischofs.
Dann rasten wir runter ins Moseltal und fuhren auf einem gut ausgebauten Radweg weiter. Nervig sind nur manchmal die Hinternisse, die am langsam umfahren muss. Dann sehen wir die gotische Kathedrale von Toul. Bald sind wir am Ziel.
Leider können wir erst um 17 Uhr im Hotel einchecken. Wir essen eine Kleinigkeit zu Mittag. Mit der Bedienung kann ich mich auf Italienisch verständigen. Generell fällt mir auf, dass junge Franzosen heute gut Englisch sprechen. Ich bedaure es sehr, dass mein Französisch so bescheiden ist.
Als erstes besuchten wir die gotische Stiftskirche Saint Gengoult. Leider geschlossen. Auch der berühmte Kreuzgang.
Dann radelten wir zur Touler Kathedrale. Der ehemalige Bischofspalast ist jetzt Hotel de Ville. Neben ihr ist ein schöner kleiner Garten mit Hochbeeten. An der gotischen Fassade im Flamboyantstil fehlen fast alle Figuren. Fielen vermutlich dem Bildersturm der französischen Revolution zum Opfer. Die helle Kirche wirkt. Das Mittelschiff ist klar und einfach gestaltet. Die gotischen Rippen sind bemalt. Diese Architektur zieht die Seele himmelwärts. Die Seitenschiffe sind in schlechtem Zustand, Netze verhindern das Schlimmste. Auch im Querschiff haben alle Figuren ihre Köpfe verloren.
Ein kleines Wunder ist der große einfache Kreuzgang, das Paradies. Bunte Feldblumen verschönern die Wiese, eine Amsel singt sich in mein Herz. Sie sitzt tapfer über einem dämonischen Wasserspeier und tiriliert von Liebe und Leben und lobt so unseren himmlischen Schöpfer.
Im Renaissancestil erfolgten die Erweiterung mit zwei Seitenschiffen. In der rechten Kapelle sieht man eine Ritterin und oben eine Frau mit einem Drachen an der Leine. Die linke Kapelle droht einzustürzen.
Toul ist leider ein Städtchen im Niedergang. Alte Bausubstanz, aber viele Häuser wie die Kathedrale renovierungsbedürftig. Wir ruhen noch im Park und sind froh, als unser Hotel Lorraine endlich die Pforten öffnet.







