Lothringen Elsass 1 Saarbrücken bis Metz

Die erste Etappe meiner Lothringen-Elsass-Tour führt uns von Saarbrücken bis Metz. Mit dem Zug fahren Heijo und ich bis Saarbrücken. Morgens warnt die Bahnapp Zugausfall. Also müssen wir ab Neustadt den Regionalexpress nehmen. Wir kommen um 9:15 Uhr in Saarbrücken an laden die Navis und landen erst mal in einer Sackgasse. Wir tragen die Räder Treppen hoch, die nicht oft benutzt werden, dann sind wir über der Saar und endlich auf dem richtigen Radweg. Es geht flott mit Rückenwind voran, auch wenn wir zwei Mal die Drahtesel über Baustellen heben müssen.

Dann biegen wir nach Osten ab und radeln auf wenig befahrenen Landstraßen Richtung Grenze. Häuser wirken hässlich und gemütlich. Viel Eternit, viel Eigensinn.
Dann sind wir unerwartet in Frankreich, den Grenzübertritt merken wir nur an den französischen Verkehrszeichen. In Creuzwald machen wir an einem See eine kleine Pause. Dann finden wir nicht sofort den richtigen Weg und endlich erreichen wir ein Waldgebiet. Ein guter Weg für unsere Gravel, es geht 8 km durch den Wald und bald müssen wir Höhenmeter machen. Oben angekommen belohnt uns ein Blick in die weite lothringische Landschaft und den hellblauen Himmel.
Vorbei an Gehöften denk ich an meinen Opa, dem 1940 nach dem „erfolgreichen“ Frankreichfeldzug der Wehrmacht ein Hauptmann das Angebot machte, ihn zu entlassen, wenn er mit der Familie in Lothringen siedele. Eine Versuchung. War es einer der Höfe, an der wir vorbei radelten? Wie wäre sein Leben dann verlaufen? Opa ließ sich nicht verführen, war heimatverbunden und ahnte vermutlich, dass die Freistellung nicht lange gedauert hätte.
Wir machen fast 600 Höhenmeter, oft in Wellen. Dafür genieße ich die rasende Abfahrt nach Boulay sur Moselle. Hier legen wir im Cafe eine Pause ein, Kleinstadt-Charme.
Die letzten 26 Kilometer müssen wir uns noch zwei Steigungen hoch quälen. Ganz wenig Verkehr, aber weite Landschaft mit vielen Windrädern. Wir haben den Wind immer noch im Rücken und saußen gen Metz. In Stadtnähe wird der Autoverkehr stärker. Über eine Radlstraße erreichen wir kurz nach 14 Uhr unser Hotel Kyriad. Zimmer sind sauber und zweckmäßig. Die Räder finden im Parkhaus einen Platz.
Ich mag Metz mit seiner alten Geschichte, den Kelten, Römer, Merowinger, Franken, Lothringer, Franzosen und Deutsche, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Wir duschen und laufen durch die lebhafte Stadt.
Natürlich zieht es mich zur Kathedrale St. Stephan. Wir lauschen etwas dem Pfingstgottesdienst des Bischofs. Die Musik der Sängerinnen, die hohen Wände und Fenster verwandeln uns. Das spüren wir, als wir wieder in die lebhafte Stadt eintauchen. Wir kehren später zurück, um die Fenster Chagalls zu betrachten und seine Motive zu verstehen. Ich mag es mit anderen dir Bildmotive zu enträtseln im Dialog.
Mehr als 300 Jahre haben die Menschen sn diesem Dom gebaut.

Dann essen wir auf dem Place Saint Louis und trinken Bier. Es ist wunderbar in dieser lebendigen Stadt zu sein.
Später laufen wir zum Bahnhof, der in der Kaiserzeit errichtet wurde, auch um schnell Truppen in die Grenzstadt zu bringen. Architekt Jürgen Kröger hat den Bahnhof als Kathedrale der Moderne gestaltet. Heijo und ich sind uns einig, dass sich Historismus und Moderne die Hand geben. Sehr bemerkenswert die Lichtkuppel in der Haupthalle.
Durch den Bahnhof gehen wir zum Centre Pompidou mit seiner wunderbaren Holzkuppel. Wir diskutieren, ob dieser ästhetische Bau gelungen ist. Teils, teils.
Metz ist eine Reise wert.